Airbags
Airbags sind ergänzende Rückhaltesysteme. Sie verringern das Risiko, dass Kopf oder Oberkörper eines Insassen auf einen harten Teil des Innenraums treffen. Ihren besten Schutz bieten sie jedoch nur, wenn der Insasse korrekt sitzt und angeschnallt ist.
So funktioniert ein Airbagsystem
Ein Airbagsystem besteht aus Crashsensoren, einem elektronischen Steuergerät, Gasgeneratoren, Gewebekissen, Verkabelung und einer Reserveenergieversorgung. Das Steuergerät bewertet Richtung und Schwere des entstehenden Unfalls zusammen mit Informationen wie Gurtnutzung und Sitzbelegung. Sind die programmierten Auslösebedingungen erfüllt, aktiviert es den passenden Gasgenerator.
Das Kissen muss sich innerhalb weniger zehn Millisekunden füllen, den Insassen beim Eintauchen abstützen und anschließend kontrolliert entlüften. Seitenairbags haben in der Regel noch weniger Zeit zum Auslösen als Frontairbags, weil zwischen dem Insassen und einer eindringenden Tür, einem anderen Fahrzeug oder einem Pfahl nur wenig Raum liegt.
Dass ein Airbag nicht ausgelöst hat, ist für sich genommen kein Beweis für einen Fehler. Unterschiedliche Kissen sind für verschiedene Aufprallrichtungen und -schweren ausgelegt, und bei einem weniger schweren Unfall kann der Gurt ausreichenden Schutz bieten. Bei der Untersuchung eines Unfalls sind die Warnleuchte, gespeicherte Diagnosedaten, physische Schäden und die Auslöselogik des Fahrzeugherstellers gleichermaßen relevant.
Airbagarten und Schutzbereiche
Die Bezeichnung beschreibt den vorgesehenen Schutzbereich, nicht eine universelle Konstruktion. Einbauort und Abdeckung unterscheiden sich je nach Fahrzeug und Sitzplatz.
Frontairbags
Fahrer- und Beifahrerairbag polstern bei einem entsprechend schweren Frontalaufprall Kopf und Brust. Fortschrittliche Systeme können die Auslösung je nach Unfallschwere, Gurtnutzung, Sitzposition und Insassenerkennung anpassen oder den Beifahrerairbag unterdrücken.
Seitenairbags für Oberkörper und Becken
Im Sitz oder in der Tür montierte Seitenairbags schützen den Oberkörper und bei manchen Konstruktionen auch das Becken. Die Sitzmontage trägt dazu bei, dass das Kissen beim Verstellen des Sitzes auf den Insassen ausgerichtet bleibt.
Kopfairbags
Kopfairbags entfalten sich aus dem Dachrahmen und decken den seitlichen Fensterbereich ab. Sie schützen den Kopf bei Seitenaufprällen und können länger gefüllt bleiben, um bei einem Überschlag das Kontakt- und Herausschleuderrisiko zu verringern.
Knieairbags
Ein Knieairbag kann die Bewegung des Unterkörpers steuern und dazu beitragen, den Insassen in einer Position zu halten, in der Beckengurt und Frontairbag wie vorgesehen funktionieren. Sein Nutzen hängt von der Abstimmung des gesamten Rückhaltesystems ab; eine höhere Zahl von Airbags bedeutet nicht automatisch ein besseres System.
Mittelairbag und Schutz auf der stoßabgewandten Seite
Bei einem Seitenaufprall auf der vom Insassen abgewandten Seite kann sich der Insasse zur Fahrzeugmitte bewegen oder mit einem anderen Insassen zusammenstoßen. Ein Mittelairbag, ein im Sitz montierter Airbag für die stoßabgewandte Seite oder eine andere Gegenmaßnahme kann diese Bewegung begrenzen. Unabhängige Tests bewerten zunehmend die Auslenkung auf der stoßabgewandten Seite und den Kontakt zwischen Insassen.
Ein koordiniertes Rückhaltesystem
Airbags, seat belts, Sitze, Kopfstützen und die vehicle structure sind als ein gemeinsames System abgestimmt. Gurtstraffer beseitigen Gurtlose, Kraftbegrenzer steuern die Brustbelastung, der Sitz stützt den Körper und der Airbag polstert die verbleibende Bewegung ab. Starkes Eindringen in die Fahrgastzelle oder eine ungünstige Insassenposition können dazu führen, dass dem Airbag nicht genug Raum zum Wirken bleibt.
Adaptive Frontsysteme können Insassenerkennung und Unfalldaten nutzen, um ihre Reaktion anzupassen. Das erweitert den verfügbaren Schutzbereich, macht aber auch eine korrekte Sitzposition wichtig. Wer sehr nah an einer Airbagabdeckung sitzt, die Füße auf das Armaturenbrett legt oder die Rückenlehne übermäßig neigt, verändert die Geometrie, für die das Rückhaltesystem ausgelegt wurde.
Was bei einem Elektroauto anders ist
Die Kissen selbst sind keine ausschließlich für Elektrofahrzeuge bestimmte Technik. Der EV-spezifische Zusammenhang liegt im umfassenderen Unfallreaktionssystem. Ein entsprechend starkes Crashsignal kann die Hochvoltschütze oder ein pyrotechnisches Trennelement zum Öffnen veranlassen, während das Niedervoltsystem je nach Konstruktion Funktionen wie Warnblinker, Notruf und Türentriegelung verfügbar hält.
Elektrische Isolation beweist nicht, dass eine beschädigte Batterie ungefährlich ist. Das Eindringen in das Batteriepaket, der Austritt von Kühlmittel oder Elektrolyt und eine verzögerte Zellerwärmung sind separate Risiken, die in battery safety behandelt und durch Vorschriften und Crashtests bewertet werden.
Was Halter prüfen sollten
- Legen Sie den Sicherheitsgurt an und sitzen Sie aufrecht, wobei der Sitz gemäß Betriebsanleitung eingestellt ist.
- Bringen Sie einen rückwärtsgerichteten Kindersitz niemals vor einem aktiven Frontairbag an.
- Prüfen Sie, ob sich die Statusanzeige des Beifahrerairbags so verhält, wie es die Betriebsanleitung beschreibt.
- Behandeln Sie eine Airbag- oder SRS-Warnleuchte als Sicherheitsfehler, der diagnostiziert werden muss.
- Prüfen Sie Rückrufe anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer, insbesondere beim Kauf eines Gebrauchtwagens.
- Ersetzen Sie ausgelöste Airbags und zugehörige Rückhaltekomponenten nach den freigegebenen Reparaturverfahren. Ein Airbag ist nur einmal verwendbar.
Crash testing and safety ratings erklärt, wie Prüfer Verletzungsmesswerte der Dummys, Insassenbewegung, strukturelles Eindringen und Airbagabdeckung gemeinsam beurteilen. Diese Erkenntnisse sind aussagekräftiger als die Airbagzahl in einer Broschüre.