Sicherheitsgurte
Der Dreipunkt-Sicherheitsgurt ist das wichtigste Insassenrückhaltesystem in einem modernen Auto. Er hält den Körper im Überlebensraum, verteilt die Kraft auf Becken und Brustkorb und bringt den Insassen in eine Position, in der Airbags und Sitz ihre Aufgabe erfüllen können.
Die wirksame Geometrie
Ein Dreipunktgurt verbindet einen Beckengurt und einen diagonalen Schultergurt zu einem durchgehenden Rückhaltesystem. Der Beckengurt soll tief über Hüften und Beckenknochen liegen; der Schultergurt soll über Brust und Mitte der Schulter verlaufen. Diese Geometrie hält Oberkörper und Becken zurück und belastet dabei die kräftigeren Teile des Skeletts.
Der Volvo-Ingenieur Nils Bohlin entwickelte die vertraute V-förmige Anordnung, die Volvo 1959 in Schweden zur Serienausstattung machte und anderen Herstellern zur Verfügung stellte. Die Grundgeometrie ist geblieben, doch das einfache Gurtband gehört heute zu einem elektronisch koordinierten Rückhaltesystem.
Nach Schätzung der NHTSA senkt ein korrekt angelegter Gurt auf dem Vordersitz eines Pkw das Risiko einer tödlichen Verletzung um 45% und das Risiko einer mittelschweren bis lebensbedrohlichen Verletzung um 50%. Der genaue Nutzen hängt von Unfall und Fahrzeug ab, doch kein Airbag und keine Fahrerassistenzfunktion ersetzt den Gurt.
Was bei einem Unfall geschieht
Im normalen Fahrbetrieb ermöglicht der Aufroller dem Insassen Bewegung und hält das Gurtband dabei leicht gespannt. Er blockiert, wenn sein Mechanismus ein schnelles Herausziehen des Gurts, eine Fahrzeugverzögerung oder eine andere programmierte Bedingung erkennt. Anschließend hält der Gurt den Insassen durch mehrere abgestimmte Funktionen zurück.
Gurtstraffer
Ein Gurtstraffer beseitigt die Gurtlose früh im Unfall, damit der Insasse zusammen mit dem Fahrzeug zu verzögern beginnt und in der vorgesehenen Position auf den Airbag trifft.
Gurtstraffer auf dem Rücksitz während eines Crashtests. Euro NCAP / YouTube.
Ein pyrotechnischer Aufroller-Gurtstraffer zieht das Gurtband mit einem kleinen Gasgenerator ein. Er funktioniert einmal und muss nach der Auslösung ersetzt werden.
Ein Gurtschlossstraffer zieht das Schloss nach unten und strafft dadurch Becken- und Schultergurt. Manche Fahrzeuge kombinieren Schloss- und Aufrollerstraffer, um verschiedene Quellen von Gurtlose zu beherrschen.
Ein reversibler Gurtstraffer arbeitet mit einem Elektromotor. Er kann den Gurt bei einer Notbremsung, einem Ausweichmanöver oder einer durch die Serie zu Fahrerassistenzsystemen (ADAS) des Fahrzeugs erkannten Gefahr straffen und wieder freigeben, wenn die Gefahr vorüber ist. Diese Maßnahme vor dem Unfall unterscheidet sich von der irreversiblen pyrotechnischen Stufe bei einem schweren Aufprall.
Kraftbegrenzer
Das Ziel ist nicht, einen Insassen so starr wie möglich festzuhalten. Ein Kraftbegrenzer gibt ab einem festgelegten Kraftniveau kontrolliert Gurtband frei. Das verringert die Brustbelastung, während Airbag und verbleibender Verzögerungsweg die Vorwärtsbewegung steuern. Für verschiedene Sitzplätze können unterschiedliche Strategien für Gurtstraffer und Kraftbegrenzer zum Einsatz kommen.
Gurtwarner und Sitzbelegungserkennung
Sitzbelegungssensoren und Gurtschlossschalter ermöglichen Warnungen für nicht angeschnallte Insassen. Sie können auch Informationen für die Airbag-Auslöselogik liefern. Ein Warner bestätigt nur den Systemzustand, den er erfassen kann; er beweist weder, dass der Gurt richtig verläuft, noch dass ein Kinderrückhaltesystem korrekt montiert ist.
Der Sitz ist ebenso wichtig wie die Technik
Ein Gurt kann die Kraft nicht richtig verteilen, wenn er unter dem Arm, hinter dem Rücken oder über dem Bauch verläuft, stark verdreht ist oder über einem dicken Gegenstand liegt. Insassen sollten aufrecht sitzen, die Gurtlose beseitigen und, sofern vorhanden, den oberen Umlenkpunkt einstellen. Eine zu weit geneigte Rückenlehne erhöht das Risiko, unter dem Beckengurt hindurchzurutschen, das sogenannte Submarining.
Kinder sollten ein ihrer Größe und den örtlichen Vorschriften entsprechendes Kinderrückhaltesystem oder eine Sitzerhöhung verwenden, bis der Erwachsenengurt richtig passt. Ein rückwärtsgerichtetes Kinderrückhaltesystem darf niemals vor einem aktiven Frontairbag angebracht werden. In der Schwangerschaft soll der Beckengurt tief unter dem Bauch über den Hüften und der Schultergurt über der Brust verlaufen; beachten Sie medizinischen Rat und die Betriebsanleitung des Fahrzeugs.
Der Rücksitz verdient dieselbe Aufmerksamkeit wie der Vordersitz. Prüfen Sie Dreipunktgurte, Gurtstraffer, Kraftbegrenzer, Warner, Kopfstützen und die Kompatibilität mit den Kinderrückhaltesystemen, die Sie verwenden möchten.
Adaptive Rückhaltesysteme
Moderne Rückhaltesteuergeräte können anhand von Aufprallrichtung und -schwere, Sitzposition und verfügbaren Informationen über den Insassen unterschiedliche Gurtkraftstrategien wählen. Der im EX60 eingeführte multiadaptive Sicherheitsgurt von Volvo erweitert diesen Ansatz: Er nutzt Daten von Innenraum-, Außen- und Crashsensoren, um für die vorderen Insassen aus mehr Kraftbegrenzungsprofilen auszuwählen.
Multiadaptiver Sicherheitsgurt von Volvo. Volvo Cars / YouTube.
Dies ist eine Weiterentwicklung von Gurtstraffung und Kraftbegrenzung, kein Ersatz für die korrekte Gurtnutzung. Der vom Hersteller beanspruchte Nutzen muss letztlich anhand unabhängiger Crashtestergebnisse und realer Verletzungsdaten beurteilt werden.
Konstruktion, Kontrolle und Reparatur
Farbiges Gurtband kann eine optische Gestaltungsentscheidung sein, ohne die vorgeschriebene Leistung des Rückhaltesystems zu verändern.
Wichtiger ist der Zustand. Das Gurtband darf nicht eingeschnitten, stark ausgefranst, verunreinigt oder von Verkleidungsteilen eingeklemmt sein. Gurtschlösser und Aufroller müssen reibungslos funktionieren, und eine Rückhalte-Warnleuchte erfordert eine Diagnose. Befolgen Sie nach einer erheblichen Kollision oder der Auslösung eines Gurtstraffers die Prüf- und Austauschvorgaben des Herstellers; Schäden sind nicht immer sichtbar.
Airbags erklärt die andere Hälfte des Rückhaltesystems, während Crashtests und Sicherheitsbewertungen zeigt, wie Prüfer Gurtbelastungen, Insassenbewegungen und Verletzungsmesswerte gemeinsam bewerten.