Sitzeinstellung, Komfortfunktionen und Sicherheit
Die Sitzeinstellung sollte zunächst eine sichere Fahrposition schaffen und erst danach den Komfort optimieren. Heizung, Belüftung, Massage und Memory können einen gut passenden Sitz verbessern, aber weder einen ungünstigen Gurtverlauf noch ein unerreichbares Pedal oder eine zu niedrige beziehungsweise zu weit entfernte Kopfstütze korrigieren.
Sichere Grundeinstellung
Nehmen Sie zuerst die großen Einstellungen vor und stimmen Sie die Stützflächen zuletzt fein ab.
- Längsposition einstellen. Treten Sie Bremse und Fahrpedal vollständig durch, ohne das Becken zu verdrehen oder das Knie durchzudrücken. Das Knie sollte ausreichend gebeugt bleiben, um die Kontrolle zu bewahren und das Risiko zu senken, dass ein gestrecktes Bein bei einem Unfall die Belastung aufnimmt.
- Höhe einstellen. Sorgen Sie für freie Sicht auf Straße und Instrumente und erhalten Sie zugleich genügend Kopffreiheit. Höhenänderungen können auch den Eindruck der Sitzkissenneigung und das Verhältnis zu den Pedalen verändern.
- Sitzkissen einstellen. Stützen Sie den größten Teil der Oberschenkel, ohne Druck in den Kniekehlen. Nutzen Sie, falls vorhanden, die ausziehbare Oberschenkelauflage.
- Rückenlehne einstellen. Wählen Sie eine bequeme, weitgehend aufrechte Position, in der die Schultern gestützt bleiben und die Hände das Lenkrad erreichen. Eine zu starke Neigung vergrößert den Abstand zwischen Oberkörper und Schultergurt und kann die Bewegung des Insassen bei einem Unfall verändern.
- Lenkrad positionieren. Erreichen Sie den oberen Lenkrand, ohne die Schultern von der Rückenlehne zu lösen. Richten Sie das Lenkrad auf die Brust statt auf das Gesicht.
- Lordosenstütze einstellen. Beginnen Sie mit minimalem Druck und erhöhen Sie ihn nur so weit, dass die natürliche Krümmung des unteren Rückens gestützt wird. Verstellen Sie die Stütze nach Möglichkeit auch vertikal.
- Kopfstütze einstellen. Heben Sie sie so an, dass sie den Hinterkopf stützt und der horizontale Abstand möglichst klein wird, ohne den Kopf nach vorn zu drücken.
- Gurt prüfen. Der Beckengurt sollte tief über dem Becken und der Schultergurt über Brust und Schulter, nicht am Hals, verlaufen.
- Airbagabstand prüfen. Die NHTSA empfiehlt eine korrekte aufrechte Position und mindestens 10 Zoll (25 cm) Abstand zwischen dem Brustbein des Fahrers und der Airbagabdeckung im Lenkrad, während Pedale und Lenkrad weiterhin komfortabel bedienbar bleiben. NHTSA — Air bags and seating position
- Nach der Fahrt erneut prüfen. Eine Einstellung, die sich zwei Minuten neutral anfühlt, kann nach 30 Minuten Druckstellen oder Ermüdung verursachen.
Die Gurthinweise der NHTSA betonen eine aufrechte Haltung und warnen davor, die Rückenlehne stärker als nötig zu neigen, weil dadurch der Abstand zwischen Schulter und Gurt wächst. Sitz, Gurt, Gurtstraffer, Gurtkraftbegrenzer und Airbags sind darauf ausgelegt, den Insassen gemeinsam zu schützen. NHTSA — Seat-belt fit and seat position
Manuelle und elektrische Verstellung
Eine manuelle Verstellung ist leicht, bei großen Bewegungen schnell und weniger komplex. Eine elektrische Verstellung ermöglicht feinere Schritte, mehr Achsen, Memory und Automatikfunktionen, kann jedoch langsamer und teurer zu reparieren sein. Die beworbene Zahl der Verstellmöglichkeiten ist nicht standardisiert: Ein Hersteller kann entgegengesetzte Richtungen separat zählen, ein anderer zählt eine Verstellachse.
Vergleichen Sie die tatsächlichen Bewegungen:
Längsverstellung
Der Sitz bewegt sich auf seinen Schienen relativ zu Pedalen und Lenkrad. Ein Sitz in der zweiten Reihe kann ebenfalls verschiebbar sein, um Beinfreiheit gegen Ladevolumen zu tauschen oder einen Zugang zur dritten Reihe zu öffnen.
Prüfen Sie den nutzbaren Weg statt der Schienenlänge. Pedalerreichbarkeit, Abstand zum Armaturenbrett, der Sitz dahinter, Fußmatten, Kinderrückhaltesysteme und Ladung können den realen Bereich begrenzen.
Höhe und Sitzkissenneigung
Die Höhenverstellung bewegt den Hüftpunkt nach oben oder unten. Die Sitzkissenneigung hebt oder senkt die Vorderkante unabhängig davon. Beide beeinflussen Sicht, Kopffreiheit, Oberschenkelauflage und Druckverteilung und sollten deshalb gemeinsam beurteilt werden.
Neigung der Rückenlehne
Die Lehnenverstellung verändert den Oberkörperwinkel. Eine kleine Änderung kann den Druck auf den Rücken reduzieren; eine starke Neigung kann die Geometrie von Gurt und Airbag verschlechtern. Ein Fahrzeug kann eine weit zurückgelehnte Relax-, Ruhe- oder Zero-Gravity-Position anbieten, doch die Marketingbezeichnung belegt nicht, dass diese Stellung für die Fahrt zugelassen ist.
Die NHTSA untersucht weiterhin den Insassenschutz in nach vorn und nach hinten gerichteten, zurückgelehnten Konfigurationen, auch für kleine weibliche und adipöse Insassen. Befolgen Sie das genaue Fahrzeughandbuch und verwenden Sie die normale Fahrposition, wann immer dies vorgeschrieben ist. NHTSA — Reclined-seat occupant biomechanics research
Sitzkissenlänge und Oberschenkelauflage
Eine ausziehbare Vorderkante stützt längere Oberschenkel und hält zugleich Abstand zur Kniekehle. Einige Verlängerungen werden manuell, andere elektrisch verstellt oder sind geteilt, sodass jeder Oberschenkel separat gestützt werden kann.
Lenden- und oberer Rückenbereich
Ein einfaches System bewegt ein Polster oder einen Seilzug nach vorn und hinten. Mehrwege-Systeme können sowohl Höhe als auch Druck verändern. Pneumatische Systeme be- und entlüften Luftkammern über Ventile; dieselbe Hardware kann dynamische Unterstützung oder Massage bieten. AUMOVIO — Pneumatic seat-system operation
Ein größerer Bereich hilft nur, wenn sich die Unterstützung richtig platzieren lässt. Testen Sie den niedrigsten Druck ebenso sorgfältig wie den höchsten – ein zu stark aufgepumptes Lendenpolster ist eine häufige Ursache für Beschwerden.
Seitenwangen
Verstellbare Seitenwangen an Rückenlehne oder Sitzkissen verändern den Seitenhalt. Manche Systeme passen die Unterstützung in Kurven automatisch an. Prüfen Sie, ob die entspannte Einstellung breit genug für Einstieg und lange Fahrten ist und die aktive Bewegung so dezent bleibt, dass sie nicht ablenkt.
Heizung, Belüftung und aktive Kühlung
Sitzheizung
Heizelemente erwärmen das Sitzkissen, die Rückenlehne oder beides. Die direkte Erwärmung der Kontaktflächen kann den Bedarf senken, die gesamte Innenraumluft zu heizen, was in einem Elektroauto besonders nützlich ist.
Das NREL maß bei einer kombinierten Strategie mit zonaler Luftführung und beheizten Flächen eine Verringerung der für die Innenraumheizung benötigten Energie um 28,5 %, während das subjektive Wärmeempfinden des Fahrers gleich blieb. Das Ergebnis umfasste Sitz, Lenkrad und Fußmatte und darf nicht als universelle Reichweitensteigerung allein durch Sitzheizung dargestellt werden. NREL — Climate-control load reduction for electric vehicles
Prüfen Sie, welche Bereiche heizen, wie gleichmäßig sie warm werden, die Anzahl der Stufen, Aufheizzeit, automatische Reduzierung, Verfügbarkeit im Fond und ob die ferngesteuerte Vorklimatisierung sie aktiviert. Menschen mit eingeschränktem Temperatur- oder Schmerzempfinden sollten die Warnhinweise des Fahrzeugs beachten, um anhaltend hohe Wärme zu vermeiden.
Belüftung im Vergleich zur Kühlung
Ein belüfteter Sitz nutzt Gebläse, um Innenraumluft durch Bezug und Verteilerschicht zum Insassen zu drücken oder warme, feuchte Luft von ihm wegzusaugen. Zuliefersysteme unterstützen Druck- und Saugbetrieb. Ein aktiv gekühlter Sitz ergänzt eine Kühlvorrichtung; eine gewöhnliche Belüftung macht die Luft nicht kälter als ihre Quelle. Gentherm — Seat ventilation and active climate systems
Eine Perforation allein beweist nicht, dass der Sitz belüftet ist. Testen Sie den Luftstrom an Sitzkissen und Rückenlehne, das Lüftergeräusch auf jeder Stufe und die Leistung bei der von Ihnen üblich verwendeten Klimatisierung.
Massage und dynamische Unterstützung
Massagesysteme arbeiten meist mit zyklisch angesteuerten pneumatischen Kammern, mechanischen Aktuatoren oder beidem. Die Programme unterscheiden sich bei Bereich, Intensität, Geschwindigkeit und darin, ob sie hauptsächlich die Lendenstütze variieren oder ein breiteres Massagemuster bieten.
Beurteilen Sie die leiseste Einstellung und den Bedienweg. Eine Funktion, die mehrere Touchscreen-Schritte erfordert, kann während der Fahrt unpraktisch sein. Massage dient dem Komfort und ist keine Behandlung einer Erkrankung.
Memory, Einstieg und Beifahrerfunktionen
Memory
Memory kann eine Kombination aus Sitzposition, Lordoseneinstellung, Seitenwangen, Lenksäule, Spiegeln, Head-up-Display und Benutzerprofil speichern. Prüfen Sie:
- wie viele physische und digitale Profile vorhanden sind;
- ob ein Schlüssel, Telefon oder Konto das Profil auswählt;
- ob sich der Sitz nur bei gehaltenem Knopf oder automatisch bewegt;
- was bei Erkennung eines Hindernisses geschieht;
- ob Gastmodus, Softwareupdates oder Profilsynchronisierung die Einstellung verändern.
Eine gespeicherte Position sollte weiterhin geprüft werden, nachdem jemand anderes den Sitz verstellt hat, insbesondere wenn die gespeicherte Einstellung nahe einer Endposition liegt.
Einstiegshilfe
Einstiegshilfen bewegen einen Vordersitz oder die Lenksäule, um dem Fahrer Platz zu schaffen, oder kippen und verschieben einen Sitz der zweiten Reihe für den Zugang zur dritten Reihe. Die Bezeichnung garantiert nicht, dass der Weg mit montiertem Kinderrückhaltesystem nutzbar bleibt. Beachten Sie die Handbücher von Fahrzeug und Rückhaltesystem, bevor Sie einen besetzten oder mit einem Rückhaltesystem ausgestatteten Sitz bewegen.
Bein- und Fußstützen
Eine Oberschenkelauflage verlängert das Sitzkissen; eine Beinstütze trägt die Unterschenkel; eine Fußstütze trägt die Füße. Sie lösen unterschiedliche Probleme. Eine ungestützte Ferse oder Druck in der Kniekehle kann eine scheinbar erholsame Position unbequem machen.
Gehen Sie nicht davon aus, dass eine ausgefahrene Bein- oder Fußstütze während der Fahrt sicher ist. Prüfen Sie die zugelassene Position, den Airbagstatus, den Gurtverlauf und die Einschränkungen im Handbuch.
Drehbare Sitze
Ein Drehsitz kann für einen leichteren Einstieg zur Tür oder im Stand zum Innenraum gedreht werden. Einige Sitze der zweiten Reihe können sich nach hinten oder innen drehen.
Ein Drehmechanismus bedeutet nicht, dass jeder Winkel als Fahrposition zugelassen ist. Gurtverankerung, Airbagabdeckung, Sitzverriegelung und Unfallvalidierung hängen von der Position ab. Verwenden Sie nur Ausrichtungen, die der Fahrzeughersteller ausdrücklich erlaubt.
Sensoren, Airbags und Reparatur
Moderne Sitze können enthalten:
- Gewichts- oder Drucksensoren zur Insassenerkennung;
- Sitzpositions- und Schienensensoren;
- Sensoren an Gurtschloss und für Gurtnutzung;
- im Sitz montierte Seitenairbags;
- Heizmatten, Temperatursensoren, Lüfter, Pumpen, Ventile und Steuergeräte.
Die NHTSA weist darauf hin, dass eine Belastung des Beifahrersitzkissens die Insassenklassifizierung beeinflussen kann. Eine Warnleuchte, die nicht zum Insassen passt, sollte anhand des Handbuchs untersucht und nicht ignoriert werden. NHTSA — Air bags and seating position
Nachgerüstete Bezüge, Kissen, Verkabelungen oder Polsterreparaturen können einen im Sitz montierten Airbag, dessen Sollreißnaht, Heizung, Belüftung oder Insassenerkennung beeinträchtigen. Die NHTSA hat ausdrücklich davor gewarnt, dass ein Bezug einen im Sitz montierten Seitenairbag nicht funktionsunfähig machen darf. Verwenden Sie für den exakten Sitz freigegebene Teile und Reparaturverfahren. NHTSA — Seat covers and seat-mounted side airbags
Was Käufer testen sollten
- Kann jeder regelmäßige Fahrer eine sichere Position erreichen und verbleibt noch Verstellweg?
- Passt die Kopfstütze sowohl für die kleinste als auch für die größte regelmäßig mitfahrende Person?
- Bleibt das untere Sitzkissen nach mindestens 30 Minuten bequem?
- Sind Bedienelemente durch Ertasten leicht zu erkennen oder im Bildschirm versteckt?
- Ruft das Memory die vollständig vorgesehene Einstellung ab?
- Arbeiten Heizung und Belüftung gleichmäßig und leise?
- Können Fondpassagiere ihre eigenen Funktionen bedienen?
- Funktionieren elektrische Verstellungen bei geschlossenen Türen und in den von Ihnen erwarteten Fahrzeugzuständen?
- Gibt es bei einem Gebrauchtfahrzeug Knarzen, wackelnde Schienen, langsame Motoren, Totbereiche, Warnleuchten oder ungleichmäßige Heizung?
- Sind Ersatzbezüge, Schaumteile, Motoren, Lüfter und Steuergeräte einzeln erhältlich, und welche Kalibrierung ist erforderlich?
Lesen Sie weiter bei Car Seat Upholstery and Materials, um die Oberflächenmaterialien zu vergleichen, durch die diese Funktionen wirken müssen.
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Quellen
- NHTSA — Air bags and seating position
- NHTSA — Seat-belt fit and seat position
- NHTSA — Reclined-seat occupant biomechanics research
- AUMOVIO — Pneumatic seat-system operation
- NREL — Climate-control load reduction for electric vehicles
- Gentherm — Seat ventilation and active climate systems
- NHTSA — Seat covers and seat-mounted side airbags