Fahrzeugbedienung in Infotainmentsystemen

Zuletzt geändert: Juli 29, 2026

Fahrzeugfunktionen auf einem Display können komplexe Einstellungen leichter verständlich machen. Zugleich werden jedoch Bildschirmgestaltung und Softwarezuverlässigkeit zu Bestandteilen des Bediensystems. Entscheidend ist nicht, ob ein Auto einen Touchscreen hat, sondern ob häufige Aktionen während der Fahrt schnell, eindeutig und im Fehlerfall wiederherstellbar bleiben.

Was in das Infotainmentsystem wandert

Hersteller können über das Zentraldisplay eine Vielzahl von Funktionen zugänglich machen:

  • Klimatisierung und Scheibenentfrostung;
  • Sitzheizung, -belüftung, -massage und -position;
  • Ladegrenzen, Zeitpläne und Batterievorkonditionierung;
  • Fahrmodi, Lenkkraft und Fahrwerkseinstellungen;
  • Einstellungen für die Rekuperation;
  • Spiegel, Licht, Verriegelung und Zugangseinstellungen;
  • Konfiguration der Fahrerassistenz; und
  • Benutzerprofile und Personalisierung.

Diese Funktionen werden nicht zwangsläufig vom Bildschirmrechner ausgeführt. In einer Android-Automotive-Architektur stellt die Vehicle Hardware Abstraction Layer Fahrzeugfunktionen beispielsweise als lesbare oder beschreibbare Eigenschaften dar. Andere elektronische Steuergeräte erledigen die zugrunde liegende Arbeit. Android Open Source Project: Vehicle Hardware Abstraction Layer

Eine Bildschirmbedienung löst deshalb eine Kette aus: Die Oberfläche fordert eine Änderung an, ein Fahrzeugdienst prüft sie und leitet sie weiter, ein anderes Steuergerät handelt, und das Fahrzeug meldet ein Ergebnis zurück. Eine gute Oberfläche unterscheidet die Anforderung des Fahrers vom bestätigten Zustand und erklärt, warum eine Funktion nicht verfügbar ist, statt die Eingabe stillschweigend zu ignorieren.

Bedienelemente sind nicht dasselbe wie Einstellungen

Ein Bedienelement ändert etwas, das der Fahrer jetzt benötigen kann, beispielsweise Temperatur, Gebläsestufe oder Scheibenentfeuchtung. Eine Einstellung legt ein längerfristiges Verhalten fest, etwa die standardmäßige Ladegrenze oder eine Präferenz für die automatische Verriegelung. Werden Konfigurationsmöglichkeiten in Menüs verschoben, kann das die Armaturentafel aufräumen. Häufig benötigte Fahrbedienungen tief in mehreren Ebenen zu verbergen, verursacht dagegen wiederholte visuelle und geistige Arbeit.

Entscheidend sind Häufigkeit und Dringlichkeit:

  • Kann der Fahrer die Funktion finden, ohne ein langes Menü zu lesen?
  • Ist ihr aktueller Zustand sichtbar?
  • Lässt sie sich per Touch, physischem Bedienelement oder Sprache einstellen?
  • Verhält sich dieselbe Aktion in jedem Bildschirmkontext einheitlich?
  • Gibt es für zeitkritische Funktionen einen direkten Weg?

Physische Bedienelemente bieten Position und Bewegung, die sich durch Berührung erlernen lassen. Bildschirmbedienungen können sich dem Kontext anpassen, mehr Erläuterungen anzeigen und mehrere zusammengehörige Einstellungen verbinden. Die besten Konzepte weisen jeder Methode die Aufgaben zu, für die sie gut geeignet ist, und bieten mehr als einen praktikablen Weg zu häufig genutzten Funktionen.

Aufmerksamkeit und Erkennbarkeit

Die UN-Regelung Nr. 121 legt Anforderungen an Anordnung, Kennzeichnung, Farbe und Beleuchtung bestimmter Bedienelemente, Kontrollleuchten und Anzeigen fest. Zu ihrem erklärten Zweck gehört es, Gefahren durch abgelenkte Aufmerksamkeit oder die Auswahl des falschen Bedienelements zu verringern. Die Regelung schreibt nicht für jede Fahrzeugfunktion eine eigene Taste vor. UNECE: UN Regulation No. 121 on controls and tell-tales

Die freiwilligen NHTSA-Richtlinien für visuell-manuelle Bedienaufgaben empfehlen, geeignete Aufgaben im Fahrzeug so zu gestalten, dass einzelne Blicke weg von der Straße höchstens zwei Sekunden und die kumulierte Dauer höchstens 12 Sekunden betragen. Außerdem empfehlen sie, ungeeignete visuell-manuelle Aufgaben während der Fahrt zu deaktivieren. Diese Kriterien sind ein Rahmen für Gestaltung und Prüfung, keine Erlaubnis für den Fahrer, in jeder Situation zwei Sekunden wegzusehen. NHTSA: Visual-Manual Driver Distraction Guidelines

Die Euro-NCAP-Protokolle von 2026 ergänzen eine Bewertung allgemeiner Fahrzeugbedienelemente. Nach Angaben der Organisation berücksichtigt die Bewertung der Mensch-Maschine-Schnittstelle Anordnung, Verständlichkeit, Bedienbarkeit und physische Bedienelemente für häufig genutzte Funktionen. Dies ist eine Methode zur Verbraucherbewertung und kein Typgenehmigungsrecht, bietet Käufern aber eine weitere Möglichkeit, Bedienkonzepte zu vergleichen. Euro NCAP: Safe Driving protocols and vehicle-control testing

Fahrmodi und dynamische Einstellungen

Eine konfigurierbare Seite für Drive Modes kann Ansprechverhalten des Fahrpedals, Lenkgewicht, Dämpfung, Fahrhöhe, Eingriffsschwellen der Stabilitätsregelung, künstlichen Klang und Klimaverhalten koordinieren. Die genaue Kombination ist modellspezifisch. Eine Bezeichnung wie Sport, Eco oder Individual sagt weder aus, welche Hardware sich verändert, noch ob die maximale Leistung dauerhaft verfügbar ist.

Die Rekuperation kann über einen Bildschirm, Lenkradwippen oder einen mit Navigation und Verkehr gekoppelten Automatikmodus gesteuert werden. EVKX erläutert die technischen Unterschiede unter Regenerative Braking. Klimafunktionen und ihre Auswirkungen auf den Energieverbrauch werden unter Heating, Ventilation and Air Conditioning behandelt.

Ausfall, Systemstart und Wiederherstellung

Bedienelemente, die von einem Display abhängen, müssen über eine makellose Vorführung im Verkaufsraum hinaus beurteilt werden. Prüfen Sie, was geschieht:

  • in den ersten Sekunden nach einem Kaltstart;
  • während die Rückfahrkamera oder eine andere Vollbildansicht aktiv ist;
  • nach einem Neustart des Systems;
  • mit Handschuhen oder auf einer unebenen Straße;
  • in direktem Sonnenlicht und bei Nacht;
  • wenn keine mobilen Daten verfügbar sind; und
  • wenn eine angeforderte Funktion vorübergehend eingeschränkt ist.

Warnblinker, vorgeschriebene Kontrollleuchten und andere sicherheitsbezogene Funktionen können eigene Hardware oder Steuergeräte verwenden, doch die genaue Rückfallebene unterscheidet sich je nach Fahrzeug. Gehen Sie nicht davon aus, dass jedes auf dem Zentraldisplay gezeigte Symbol nach einem Ausfall dieses Displays weiterhin verfügbar ist. Das Benutzerhandbuch sollte Notfallbedienungen und Neustartverfahren beschreiben.

Softwareupdates können die Bedienung verändern

Ein Over-the-Air-Update kann Menüs neu ordnen, das Standardverhalten ändern oder eine Funktion hinzufügen, ohne den physischen Innenraum zu verändern. Das kann eine schlechte Oberfläche verbessern, bedeutet aber auch, dass sich ein vertrauter Bedienweg während des Fahrzeugbesitzes ändern kann.

Die UN-Regelung Nr. 156 verlangt einen Prozess zum Management von Softwareupdates und enthält Bestimmungen zur Integrität der Updates, zur Benutzerinformation sowie zur Wiederherstellung oder zu einem sicheren Zustand nach einer Unterbrechung. Sie garantiert nicht, dass dem Besitzer jede Änderung der Oberfläche gefällt. UNECE: UN Regulation No. 156 on software updates

Lesen Sie vor einem größeren Update die Versionshinweise, fotografieren Sie wichtige persönliche Einstellungen und prüfen Sie, ob sich die Installation im Fahrzeug planen lässt. Kontrollieren Sie nach dem Update Ladezeitpläne, Fahrerassistenzpräferenzen und jede Einstellung, deren unerwartete Änderung Folgen hätte.

Was vor dem Kauf zu testen ist

Versuchen Sie ohne Anleitung des Verkäufers:

  • Temperatur und Gebläsestufe einzustellen;
  • vordere und hintere Scheibenentfrostung zu aktivieren;
  • die Audiolautstärke zu ändern und stummzuschalten;
  • einen Fahrmodus auszuwählen;
  • eine Ladegrenze und einen Ladezeitplan festzulegen;
  • Spiegel- und Außenlichteinstellungen zu finden;
  • einen optionalen Fahrerassistenzhinweis zu deaktivieren; und
  • zur Karte oder Startansicht zurückzukehren.

Wiederholen Sie häufige Aufgaben und richten Sie den Blick dabei so weit wie möglich nach vorn. Bitten Sie anschließend einen weiteren regelmäßigen Fahrer, sie auszuprobieren. Ein großes Display kann komplexe Fahrzeugsysteme verständlich darstellen; eine grundlegende Aktion sollte dadurch nicht von Gedächtnis, Geduld oder fehlerfreier Software abhängen.

Einen breiteren Vergleich der haptischen Bedienung finden Sie unter Buttons and Physical Controls.

Quellen

Weitere Informationen