Infotainmentsysteme
Ein Infotainmentsystem ist die digitale Schnittstelle des Fahrzeugs für Medien, Navigation, Kommunikation und vernetzte Dienste. In vielen Elektrofahrzeugen zeigt es zudem Fahrzeugeinstellungen, Ladesteuerungen und Energieinformationen an. Deshalb beeinflussen Geschwindigkeit und Übersichtlichkeit den Fahralltag ebenso wie die Größe des Bildschirms.
Bestandteile des Systems
Der sichtbare Bildschirm ist nur ein Teil des Systems. Eine moderne Infotainmentplattform im Fahrzeug kann Folgendes umfassen:
- eine Haupteinheit mit Prozessoren, Arbeitsspeicher und Datenspeicher;
- einen oder mehrere zentrale, Beifahrer- oder Fondbildschirme;
- Fahrerdisplay und Head-up-Display, sofern die Architektur gemeinsam genutzte Inhalte ermöglicht;
- Mikrofone, Verstärker und Lautsprecher;
- GNSS-, Bluetooth-, Wi-Fi-, USB- und Mobilfunkverbindungen;
- Lenkradtasten, Drehsteller, Touchpads und Spracheingabe;
- eine Schnittstelle zu anderen Fahrzeugrechnern; und
- Software, Onlinekonten, Apps, Kartendaten und Clouddienste.
Diese Komponenten müssen nicht auf einem einzigen Rechner laufen. Sicherheitsrelevante Kontrollleuchten, Warntöne und Fahrfunktionen können von separaten elektronischen Steuergeräten verarbeitet werden, auch wenn das Infotainmentdisplay zugehörige Informationen oder eine Bedienmöglichkeit anzeigt.
Native Software und Smartphone-Projektion
Ein natives System läuft auf Hardware, die im Fahrzeug verbaut ist. Es kann vollständig vom Hersteller entwickelt sein oder auf einer Plattform wie Android Automotive OS aufbauen. Android Automotive läuft im Auto; es ist nicht dasselbe Produkt wie Android Auto, das auf einem verbundenen Smartphone läuft und eine für das Fahren ausgelegte Oberfläche auf ein kompatibles Fahrzeugdisplay projiziert. Google Automotive Services ist ein separates, optionales Paket, das ein Hersteller für eine Android-Automotive-Implementierung lizenzieren kann. Android Open Source Project: What is Android Automotive?
Apple CarPlay und Android Auto bieten Fahrern eine vertraute, telefonbasierte Oberfläche und unterstützte Apps. Ein gutes natives System bleibt dennoch wichtig, weil es weiterhin für Funktionen zuständig ist, die eine Smartphone-Projektion nicht zuverlässig ersetzen kann: Fahrzeugeinstellungen, Kameras, Lademenüs, Softwareupdates sowie der Betrieb, wenn das Smartphone oder die Mobilfunkverbindung nicht verfügbar ist.
Die zugehörigen EVKX-Artikel behandeln Audio Systems in Electric Vehicles, EV Navigation and Route Planning, Smartphone Integration in Cars und Vehicle Controls in Infotainment Systems im Detail. Anordnung und Hardware der Displays werden separat unter Screens and Displays erläutert.
Leistung ist mehr als Bildschirmgröße
Abmessungen und Pixelzahl eines Displays sagen wenig darüber aus, wie angenehm sich ein System bedienen lässt. Aussagekräftig sind die Startgeschwindigkeit, die Beständigkeit seiner Reaktionen und die Anzahl der Schritte, die für häufige Aufgaben nötig sind.
Wichtige Eigenschaften sind:
- bei hellem Sonnenlicht und nachts gut lesbare Texte und Grafiken;
- nachvollziehbare Menüs mit dauerhaften Verknüpfungen für häufig genutzte Funktionen;
- geringe Eingabelatenz und flüssige Kartenbewegungen;
- eine klare Unterscheidung zwischen einer angeforderten Einstellung und dem tatsächlichen Fahrzeugzustand;
- zuverlässige Spracherkennung, ohne Sprache zum einzigen praktikablen Eingabeweg zu machen;
- schnelle Wiederverbindung mit bekannten Smartphones;
- nutzbare Navigations-, Klima- und Audiofunktionen bei schlechter Datenverbindung; und
- eine Wiederherstellungsmöglichkeit, falls eine App oder ein Display nicht mehr reagiert.
Die freiwilligen Richtlinien der US-amerikanischen National Highway Traffic Safety Administration für visuell-manuelle Bedienaufgaben empfehlen, geeignete Aufgaben so zu gestalten, dass einzelne Blicke weg von der Straße höchstens zwei Sekunden und die kumulierte Blickdauer höchstens 12 Sekunden betragen. Außerdem empfehlen sie, ungeeignete Aufgaben während der Fahrt zu sperren. Das sind Gestaltungskriterien und kein Versprechen, dass jede scheinbar konforme Oberfläche in jeder Situation sicher ist. NHTSA: Visual-Manual Driver Distraction Guidelines
Die Euro-NCAP-Bewertung von 2026 prüft zusätzlich Platzierung, Verständlichkeit und Bedienbarkeit wesentlicher Bedienelemente, einschließlich physischer Bedienelemente für häufig verwendete Funktionen. Damit wird die Gestaltung der Bedienung — nicht die Anzahl der Bildschirme — zu einem vergleichbaren Sicherheits- und Ergonomiemerkmal. Euro NCAP: 2026 protocol changes and vehicle controls
Updates, Konnektivität und Nutzungsdauer
Vernetztes Infotainment kann neue Funktionen, Karten und Fehlerkorrekturen erhalten, ohne dass ein Werkstattbesuch nötig ist. Es kann jedoch auch von Herstellerservern, einem Datenabonnement oder Drittanbieterdiensten abhängen, deren Unterstützungszeitraum kürzer als die Lebensdauer des Fahrzeugs sein kann.
Prüfen Sie vor dem Kauf:
- welche Funktionen ein Abonnement oder die Mobilfunkverbindung des Fahrzeugs benötigen;
- ob Karten und Kernfunktionen offline verfügbar sind;
- welche Dauer der Hersteller für die Softwareunterstützung zusagt;
- ob sich Updates verschieben lassen und wie lange ihre Installation dauert;
- ob sich Benutzerprofile, gekoppelte Smartphones und App-Konten einfach entfernen lassen; und
- welche Funktionen nach dem Ende vernetzter Dienste erhalten bleiben.
Die UN-Regelung Nr. 156 stellt Anforderungen an das Management von Fahrzeugsoftware-Updates. Dazu gehören der Schutz von Authentizität und Integrität des Updates, die Information der Nutzer sowie das Versetzen des Fahrzeugs in einen sicheren Zustand oder seine Wiederherstellung nach einem unterbrochenen Update. Ihr Anwendungsbereich geht über das Infotainmentdisplay hinaus, doch die Regelung verdeutlicht, warum Fahrzeugupdates mehr Disziplin erfordern als gewöhnliche Updates von Verbraucher-Apps. UNECE: UN Regulation No. 156 on software updates
Sicherheit und Datenschutz
Ein Infotainmentsystem kann Ziele, Kontakte, Nachrichten, Sprachdaten, Kontotoken und einen genauen Standortverlauf speichern. Vernetzung schafft zudem Zugriffswege, die ein Hersteller bewerten und schützen muss. Die UN-Regelung Nr. 155 führte einen internationalen Rahmen für die Typgenehmigung von Fahrzeugen ein, der Cybersicherheitsmanagement, Risikobewertung und die fortlaufende Reaktion auf Bedrohungen umfasst. Das bedeutet nicht, dass ein vernetztes Fahrzeug unangreifbar ist. UNECE: UN Regulation No. 155 on vehicle cybersecurity
Verwenden Sie, sofern vorhanden, getrennte Fahrerprofile, prüfen Sie die Berechtigungen für Apps und Kontakte und entfernen Sie Konten sowie gekoppelte Geräte, bevor Sie ein Fahrzeug verkaufen oder zurückgeben. Eine Rücksetzung auf Werkseinstellungen sollte zur Übergabe gehören. Im Benutzerhandbuch ist jedoch zu prüfen, welche Dienste zusätzlich von einem Onlinekonto getrennt werden müssen.
Was vor dem Kauf zu testen ist
Koppeln Sie das Smartphone, das Sie tatsächlich verwenden, und probieren Sie sowohl einen normalen Start als auch einen Neustart aus. Geben Sie ein Ziel ein, ändern Sie die Temperatur, suchen Sie die Scheibenentfrosterfunktion, wechseln Sie die Audioquelle, schalten Sie eine Navigationsansage stumm und kehren Sie zur Karte zurück. Wiederholen Sie die häufigsten Aktionen, ohne den Bildschirm eingehend zu studieren.
Prüfen Sie die Oberfläche außerdem nach einem Sprachwechsel, mit einer polarisierten Sonnenbrille, falls Sie eine tragen, und von beiden Vordersitzen aus. Eine makellose Vorführung im Stand zeigt nicht, ob ein tief verborgenes Bedienelement, ein langsamer Kaltstart oder eine unzuverlässige Verbindung über Jahre hinweg lästig wird.