Reichweitenschätzer (Guess-O-Meter)
Ein Reichweitenschätzer, auch Restreichweitenanzeige, Distance to Empty (DTE), Guess-O-Meter (GOM) oder Guessometer genannt, zeigt an, wie weit ein Elektroauto mit der verbleibenden Batterieenergie voraussichtlich fahren kann. Diese Prognose beruht auf Annahmen und kann deshalb von der tatsächlich gefahrenen Strecke abweichen.
Wie die Schätzung berechnet wird
Vereinfacht lässt sich eine Reichweitenschätzung verstehen, indem man die verfügbare Energie durch den angenommenen Verbrauch teilt:
Reichweite (km) = verfügbare Energie (kWh) ÷ Verbrauch (kWh/100 km) × 100
Bei 60 kWh verfügbarer Energie ergeben 20 kWh/100 km eine Reichweite von 300 km und 25 kWh/100 km eine Reichweite von 240 km. Die Energie bleibt gleich; allein der höhere Verbrauchswert verringert die Prognose um 20 %. Dies sind illustrative Annahmen, keine Messwerte.
Die Anzeigen unterscheiden sich vor allem darin, welchen Verbrauchswert sie verwenden:
- Anzeigen auf Basis des Normverbrauchs verwenden einen festen Wert aus einem standardisierten Test. Laut Bedienungsanleitung des Tesla Model 3 beruht die Reichweite auf dem Touchscreen auf dem EPA-Normverbrauch und berücksichtigt unter Umständen weder den persönlichen Fahrstil noch äußere Bedingungen; eine Prognose anhand des jüngsten Verbrauchs ist separat in der Energie-App verfügbar. Bedienungsanleitung des Tesla Model 3: Getting Maximum Range
- Adaptive Anzeigen lernen aus den zuletzt gefahrenen Strecken. Die Bedienungsanleitung des Hyundai IONIQ 5 N nennt Geschwindigkeit und Beschleunigung, elektrische Verbraucher wie die Heizung, Wetter, Wind, Temperatur und Gelände als Einflussfaktoren. Nach Eingabe eines Ziels wird der Wert anhand der Zielinformationen statt des erlernten Verbrauchsverlaufs neu berechnet. Außerdem warnt Hyundai davor, dass ein Zurücksetzen der erlernten Fahrdaten den angezeigten Wert erhöhen kann, ohne die tatsächliche Reichweite zu vergrößern. Bedienungsanleitung des Hyundai IONIQ 5 N (2026, USA): Checking Electric Vehicle Driving Information
Eine Anzeige auf Basis des Normverbrauchs passt sich nicht an die Fahrweise an. Deshalb können ihre Kilometer schneller oder langsamer abnehmen als die zurückgelegte Strecke. Eine adaptive Anzeige orientiert sich stärker an der jüngsten Fahrweise, übernimmt dabei aber auch die letzten Bedingungen für die nächste Fahrt. Wie Testzyklen und Fahrbedingungen die Reichweite generell beeinflussen, erklärt Reichweite von Elektroautos verstehen.
Warum die Anzeige bei Kälte sinkt
Im Winter können sich beide Bestandteile der Berechnung ändern.
Bei einer adaptiven Anzeige steigt der prognostizierte Verbrauch, wenn die letzten Fahrten mehr Energie benötigt haben. Die Beheizung von Innenraum und Batterie verbraucht Batterieenergie Bedienungsanleitung des Tesla Model Y: Cold Weather Best Practices, und kalte, dichtere Luft erhöht den Luftwiderstand. DOE/EPA (USA): Fuel Economy in Cold Weather Auf kurzen Strecken verstärkt sich der Effekt, weil sich die Energie zum Aufwärmen des kalten Innenraums und der Batterie auf wenige Kilometer verteilt. Ein einmaliger Aufwärmvorgang mit angenommenen 1 kWh erhöht beispielsweise den Verbrauch einer 5 km langen Fahrt um 20 kWh/100 km, bei einer 50 km langen Fahrt dagegen um 2 kWh/100 km. Diese Werte beschreiben nur den angenommenen anfänglichen Aufwärmvorgang; Fahren und fortlaufendes Heizen kommen hinzu. Eine durch mehrere kurze Winterfahrten geprägte Schätzung kann deshalb zu Beginn einer längeren Fahrt pessimistisch ausfallen. Bedienungsanleitung des Tesla Model 3: Getting Maximum Range
Auch die verfügbare Energie kann sinken. Bei einer kalten Batterie kann ein Teil der gespeicherten Energie vorübergehend nicht verfügbar sein. Die Bedienungsanleitung des Tesla Model Y zeigt diesen Anteil blau in der Batterieanzeige zusammen mit einem Schneeflockensymbol und weist darauf hin, dass die Rekuperation eingeschränkt sein kann, bis die Batterie warm ist. Bedienungsanleitung des Tesla Model Y: Cold Weather Best Practices Selbst bei einem festen Normverbrauch ergibt eine niedrigere Schätzung der verfügbaren Energie eine geringere Reichweite. Wie sich dies neben dem Batterieprozentsatz darstellt, hängt von der Anzeigelogik des Fahrzeugs ab.
Wie groß reale Reichweitenverluste im Winter sind und wie sie sich einplanen lassen, erläutert Fahren im Winter: Behauptungen über Elektroautos im Faktencheck.
Die Schätzung richtig lesen
Der Ladezustand (SoC) gibt an, wie voll die Batterie ist; die Reichweite prognostiziert, wie diese Energie genutzt wird. Der vom Navigationssystem vorhergesagte Ladestand bei Ankunft schätzt die am Ziel verbleibende Energie. Eine allgemeine Reichweitenanzeige kann den Normverbrauch oder bisherige Verbrauchswerte verwenden, wobei manche Fahrzeuge sie auch an die gewählte Route anpassen. Behalten Sie eine Reserve und beobachten Sie unterwegs, wie sich die Prognose entwickelt. Routenplanung für Elektroautos mit Ladestopps
Eine niedrige Winteranzeige allein belegt keine dauerhafte Batteriedegradation; Hyundai weist darauf hin, dass eine kalte Batterie die Restreichweite nur vorübergehend verringert. Bedienungsanleitung des Hyundai IONIQ 5 N (2026, USA): Checking Electric Vehicle Driving Information Vergleichen Sie ähnliche Strecken, Temperaturen, Geschwindigkeiten und Ladestände, bevor Sie diesen Schluss ziehen.